Christoph Bärlocher, Präsident des Kantonalen Gewerbeverbandes St.Gallen (KGV), begrüsste die Regierungsräte und die Verwaltungsmitarbeitenden sowie die Vorstände der Berufsverbände aus dem Bauhaupt- und Nebengewerbe. Der KGV schätzt den direkten Dialog mit der Politik, um Sorgen und Unklarheiten unkompliziert ansprechen und gemeinsam Lösungen finden zu können.
Zu Beginn informierte Regierungsrätin Susanne Hartmann über die geplanten Bauvorhaben und Arbeitsvergaben des Kantons im Bereich Hoch- und Tiefbau. Im Hochbau beschäftigen vorwiegend Projekte aus dem Bereich Bildung mit dem Neubau des Campus Wattwil, dem Neubau des Campus Platztor der Universität St.Gallen sowie die beiden geplanten Schulhäuser am GBS St.Gallen und am BWZ in Rapperswil-Jona. Gesamtheitlich werden im Hochbau 980 Mio. Franken investiert. Im 551 Mio. Franken schweren 18. Strassenbauprogramm (2024 – 2028) des Kantons St.Gallen sind ca. 20% für den Ausbau des Fuss- und Veloverkehrs vorgesehen. Weitere grössere Summen fliessen in Umweltschutzmassnahmen und Kunstbauten wie Brücken, Tunnel, Stützkonstruktionen oder Lärmschutzmassnahmen. Ein Betrag von rund 25 Mio. Franken wird für Wasserbauvorhaben eingesetzt.
Regierungsrat Beat Tinner berichtete anschliessend über die Wirtschaftslage und den Arbeitsmarkt im Kanton St.Gallen. Er zeigte anhand eines Geschäftslagenindikators auf, dass in der Ostschweiz im Allgemeinen eine wirtschaftliche Erholung erkennbar ist. Weiterhin Mühe bekunden die Branchen der Metallverarbeitung, der Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Elektronik und Optik. Dies ist einerseits auf die anhaltenden Spannungen im Nahen Ost und entsprechende Lieferengpässe zurückzuführen, andererseits auf die nach wie vor schwache Dynamik in den Absatzmärkten, insbesondere in Deutschland. Die Arbeitslosenquote hat sich gegenüber dem Vorjahr ganz leicht erhöht, liegt aber immer noch in der saisonalen Bandbreite. Die Zahl der Voranmeldungen für Kurzarbeit ist erfreulicherweise auf den tiefsten Stand seit 3 Jahren gesunken. Im Bereich der Schwarzarbeit wurden die Kontrollen weiter intensiviert. Im 2025 erreichte man knapp 1000 Kontrollen, im laufenden Jahr wurde diese Grenze bereits per Ende September geknackt.




Danach informierte das Amt für Wirtschaft und Arbeit über das Thema aktive Bodenpolitik. Nach deren Grundsätzen will sich der Kanton für eine schnellere Nutzbarkeit von verfügbaren Flächen einsetzen. In den Ausführungen zum Innoguide, dem digitalen Innovationsassistenen für St.Galler KMU, erfuhren die Anwesenden, wie die Standortförderung mit einem eigens entwickelten Tool ein niederschwelliges Angebot für eine rasche Analyse des eigenen Innovationspotenzials schafft.
Im zweiten Teil der Konferenz beantworteten die leitenden Angestellten die vorgängig durch das Gewerbe eingereichten Fragestellungen zu Themen wie beschleunigtem Wohnungsbau, geplanten Unterhaltsarbeiten, Baustoffrecycling oder Vereinfachung von Baubewilligungsprozessen. Das Gewerbe fordert vom Kanton schnellere und schlankere Prozesse sowie den Abbau bürokratischer und rechtlicher Hürden.
Beim abschliessenden Apéro fand ein reger Austausch zwischen Verwaltung und Gewerbe statt. Probleme und Fragen direkt bei den Entscheidungsträgern anbringen zu können, ist für beide Seiten wertvoll, spannend und zielführend. Das Gefäss wird daher auch sehr geschätzt.