Wirtschaft und Gewerbe betonen in ihrer Stellungnahme, dass sie das Ziel des Konzepts unterstützen, die Mobilität in der Stadt St.Gallen leistungsfähig, nachhaltig und zukunftsorientiert zu gestalten. Mobilitätspolitik und mithin auch ein Mobilitätskonzept 2050 muss die Bedürfnisse sämtlicher Verkehrsträger berücksichtigen und die Erreichbarkeit für Bevölkerung, Unternehmen und Besucherinnen und Besucher gleichermassen sicherstellen. Die Erreichbarkeit ist eine zentrale Voraussetzung für die wirtschaftliche, gesellschaftliche und touristische Entwicklung der Stadt. Diese grosse Perspektive wünschen die Wirtschaftsverbände auch bei den Massnahmen. Sie sollten nicht kleinräumig ausgerichtet sein, sondern den Ausbau leistungsfähiger Infrastruktur vorsehen: Ausbau der S-Bahn, Verbesserung des regionalen Bahnangebots, Optimierung des Busverkehrs (z.B. dezentrale Hubs für Postautos) und Prüfung übergeordneter Strassen- und Autobahnprojekte, beides zur Entlastung der Innenstadt.
Fahrverbot für Neuzuziehende?
Die beiden Verbände verzichten darauf, jeden Abschnitt des Konzepts im Einzelnen zu kommentieren, heben jedoch mehrere Punkte hervor: Ohne Korrektur des Konzepts wird durch die Plafonierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) sozusagen ein Fahrverbot für Neuzuziehende erlassen. Die vorgeschlagene Reduktion der Verkehrswege bedeutet: keine Weiterentwicklung der sogenannt «lebendigen Stadt», ganz besonders nicht für Wirtschaft und Gewerbe. Die angestrebte Verdreifachung des Veloverkehrs liegt deutlich über den Zielen anderer Städte, obwohl dies aufgrund der St.Galler Topographie vollkommen unrealistisch ist. Inakzeptabel für die Gewerbe und Wirtschaft ist auch, dass bei allen Strategien und Detailvorschlägen Kostenangaben oder -schätzungen fehlen – in einer Zeit, wo die öffentliche Hand ganz allgemein, die Stadt St.Gallen im Besonderen, sparen muss.
Schliesslich kommt die «dritte Röhre» im Mobilitätskonzept nicht mehr vor – unter dem «Titel», dass mit der eidgenössischen Ablehnung weiterer Autobahnausbauten diese nicht mehr möglich sei. Das ist, wie verschiedene Stellungnahmen und Klärungen der letzten Monate zeigen, falsch. Zudem würde eine «dritte Röhre» die vom Konzept gewünschte Entlastung von Innenstadt und Quartieren vom MIV positiv stützen, müsste also ganz im Sinn der Verfasser des Konzepts sein.
Nachfolgend finden Sie die Medienmitteilung als PDF sowie das Vernehmlassungsschreiben an den St.Galler Stadtrat: